Kopfkrank

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Leid und Schmerzen, die einem niemand erklären kann sind die Hölle. Dabei gibt es oft eine Erklärung. Körper und Psyche arbeiten zusammen! Die Wissenschaft weiß das schon lange. Doch Psychologie und Medizin vergessen es oft. Psychosomatik ist ein Bereich, der viel mehr Beachtung verdient. Kümmern wir uns drum und haben Hunde, Diapression (schonmal gehört?) und den Nocebo-Effekt für euch dabei.

Nicht “nur” psychosomatisch!

Psyche und Körper hängen zusammen. So kann körperliches Leiden auch psychisches auslösen und umgekehrt. Viele erleben irgendwann einmal psychosomatische Beschwerden, typischerweise aufgrund von Stress, belastenden Lebensumständen oder Schicksalsschlägen. Diese psychischen Spannungen zeigen sich z.B. in Schlaflosigkeit, Bauchschmerzen, Rückenbeschwerden, Kopfweh oder Hautausschlägen. [1]

Wir unterscheiden zwischen psychosomatischen und somatoforme Störungen. Können beim ersten durchaus Symptome (z.B. Reizdarm) nachgewiesen werden, gibt es bei somatoformen Störungen keinerlei medizinischer Nachweise für die körperlichen Beschwerden. [2] Sie deshalb als harmlos abzutun, wäre falsch!

Die Psyche beeinflusst den Körper

Welchen Einfluss die Psyche auf unseren Körper hat, zeigt der Placebo- bzw. Nocebo-Effekt.
Wir schlucken eine Pille und glauben das sie wirkt, dann wirkt sie auch. So funktioniert einfach ausgedrückt der Placebo-Effekt. Und das ist keine Einbildung! In 18-80 % der Fälle erweitert der Placebo-Effekt tatsächlich die Atemwege, lässt Warzen verschwinden, senkt den Blutdruck und lässt sogar Männern mit Glatze, die Haare wachsen! [3]

Doch der Placebo-Effekt hat eine Schattenseite. Sein Gegenstück ist der Nocebo-Effekt. Wenn wir an die schädliche Wirkung einer Behandlung glauben, wird dieser Schaden real. Das zeigte beispielsweise eine Studie mit Asthma-Patient:innen. [4]

Wie eng Kopf und Körper zusammenhängen, sehen wir anhand einer Studie. Sie zeigt, dass soziale Ausgrenzung tatsächlich körperlich wehtut. [5] Diese psychosomatische Verbindung formt sich bereits in der Schwangerschaft und begleitet uns das ganze Leben. [6] Wie gestresst wir z.B. sind hat Einfluss auf unsere Wundheilung und Herzgesundheit. [7]

Ist es psychosomatisch? – So findest Du’s raus!

Check deine aktuelle Lebenssituation

In der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beginnt jede Behandlung mit der Analyse der Lebenssituation. [1] So kann man an die Wurzeln der Probleme kommen. Frag dich selbst mal: Was war los, als die Beschwerden angefangen haben? Gab es Lebensveränderungen? Stress? Wenn es dein/e Art/Ärztin nicht von selbst anspricht, setz in der Sprechstunde mal gezielt den Fokus darauf.

Liegt’s am Krankheitsgewinn?

Es gibt ganz unterschiedliche Gründe für psychosomatische oder somatoforme Beschwerden. Einer davon ist der sogenannte Krankheitsgewinn. Das bedeutet, dass die Beschwerden dir irgendeinen Vorteil bringen. Vielleicht zwingen sie dich, vom Gas zu gehen? Bekommst du dadurch Aufmerksamkeit, die dir fehlt? Halten sie dich von etwas ab, was du eigentlich nicht tun willst? Wichtig hier: Das ist uns oft nicht bewusst und wird uns erst in einem Gespräch mit Fachleuten klar.

Den Teufelskreis durchbrechen

Jetzt weißt Du, woran es liegt. Als nächstes brauchen wir die richtige Methoden, um die Beschwerden richtig anzugehen.

Viele verschreiben sich bei körperlichen Schmerzen selbst Ruhe. Wer sich aber zu sehr schont, fördert die Beschwerden jedoch häufig viel mehr. Wer sich z.B. aus Angst vor Schmerzen schon beim ersten Stechen im Rücken schont, erreicht damit keine Linderung, sondern das Gegenteil: Die Rückenmuskulatur verkümmert und schmerzt schließlich bei Bewegungen noch mehr. Ein Teufelskreis beginnt. [6]

Ablenkung tut gut

Besser als sich ohne ärztliche Empfehlungen bei psychosomatischen Beschwerden Ruhe zu verordnen, ist Ablenkung. Die Tinnitus-Retraining-Therapie setzt genau darauf und versucht das Gehör durch ein zusätzliches Geräusch vom Tinnitus abzulenken. [9]

Such dir Hilfe

Psychosomatische und somatoforme Beschwerden lassen sich meist weder leicht feststellen noch ohne professionelle Unterstützung behandeln. Nimm deine Schmerzen ernst und such dir Hilfe. Eine Psychotherapie oder Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe können ein Weg sein. Wir haben dir eine Liste zusammengestellt mit Anlaufstellen. Du findest sie hier.


QUELLEN

[1] Rydlink, K. (2021) Wenn der Körper die Seele krank macht – und die Seele den Körper. Spiegel.

[2] Wittchen, H. U., & Hoyer, J. (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (Vol. 1131). Heidelberg: Springer.

[3] Rankin, L. (2013). The Nocebo Effect: Negative Thoughts Can Harm Your Health. Psychology Today.

[4] Jaén, C., & Dalton, P. (2014). Asthma and odors: the role of risk perception in asthma exacerbation. Journal of psychosomatic research, 77(4), 302-308. 

[5] Eisenberger, N. I., Jarcho, J. M., Lieberman, M. D., & Naliboff, B. D. (2006). An experimental study of shared sensitivity to physical pain and social rejection. Pain, 126(1-3), 132-138. (Zitiert von 440)

[6] Hauschild, J., & Wüstenhagen, C. (2013). Körper und Seele – nur gemeinsam stark. Zeit. 

[7] Koschwanez, H. E., Kerse, N., Darragh, M., Jarrett, P., Booth, R. J., & Broadbent, E. (2013). Expressive writing and wound healing in older adults: a randomized controlled trial. Psychosomatic Medicine, 75(6), 581-590. 

Bartens, W. (2010). Infarkt der Seele. Süddeutsche Zeitung. 

[8]  Mayer, E. A., & Hsiao, E. Y. (2017). The gut and its microbiome as related to central nervous system functioning and psychological wellbeing: Introduction to the Special Issue of Psychosomatic Medicine. Psychosomatic medicine, 79(8), 844. 

[9] Frietsch, M. (2020). Psychosomatische Erkrankungen. planet-wissen.de.

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