Wie intelligent willst du sein?

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Der Mensch hält sich für schlau. Deswegen nennen wir uns selbst Homo sapiens , der kluge Mensch. Das macht Sinn, denn wir stehen an der Spitze aller Nahrungsketten, weil wir mehr IQ-Punkte haben als Affen oder Krähen. Doch was ist Intelligenz eigentlich? Wie schlau sind wir? Wie funktioniert ein IQ-Test? Sind schlaue Menschen zufriedener und ist es gemein, von den „Dummen“ zu sprechen? Wir suchen in dieser Folge nach einem etwas anderen Blick auf unsere Intelligenz

Was ist Intelligenz und IQ?

Intelligenz ist ein sehr großes Forschungsfeld, in dem allein schon über die Definition des Intelligenz-Begriffs wenig Einigkeit herrscht. Eine Empfehlung, um tiefer ins Thema einzutauchen ist die Ausgabe Intelligenz von Spektrum Psychologie.

Der IQ ist ein Maß, das mit Intelligenztests ermittelt wird. Der IQ-Wert folgt einer sogenannten Normalverteilung, Das ist eine glockenförmige Kurve, die anzeigt, dass die allermeisten Menschen einen mittleren Intelligenzwert haben von 100 plus / minus 15. Nur wenige Menschen erreichen einen Wert über 145 oder unter 55. Mehr zu Intelligenz und IQ gibt es in einem interessanten Artikel vom NDR oder bei Spektrum.

Dass Intelligenz nicht in allen Kulturen gleich verstanden wird, zeigen uns die Luo in Kenia. [1]

Wichtig: IQ-Tests zu erstellen ist sehr aufwendig und selbst dann gibt es noch immer ungelöste Probleme wie den »Practice Effect«. [2] Daher ist von kostenlosen Tests im Netz abzuraten. Wer trotzdem einen kleinen Einblick in klassischen IQ-Test Aufgaben haben möchte, schaut mal hier

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Ist Intelligenz vererbbar?

Hier ist sich die Wissenschaft einig: Es gibt einen Einfluss der Gene auf die Intelligenz. Wie stark, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Mehr dazu nachlesen, kannst Du bei Planet Wissen.

Sicher ist auch, dass unsere Erfahrungen ebenso einen Anteil an unserer Intelligenz haben. Im Interview mit dem Tagesspiegel sagt Psychologin und Professorin Bettina Hannover von der Freien Uni Berlin, dass wir unsere Intelligenz erst dann nutzen können, wenn wir Lerngelegenheiten bekommen. Alles, was der Mensch kann, muss er lernen.

Hochbegabung

Hochbegabung ist viel mehr als ein hoher IQ. Leon spricht im Podcast über Laetitia Hahn, mit der er für In extremen Köpfen sprechen durfte. Sie sagt, dass trotz Talent und Hochbegabung, Fleiß und Arbeit den größten Anteil ausmachen, um etwas zu erreichen. Ob hochbegabte Menschen besonderen Herausforderungen im Leben gegenüberstehen, da scheiden sich die Geister. Psychologin Dr. Linda Wirthwein sagt, dass sich keine Unterschiede finden lassen. Andere Studien wiederum zeigen, dass Hochbegabte signifikant niedrigere Werte beim Sinnerleben und subjektiven Wohlbefinden zeigen. [3]

Besser als IQ: Fokus auf Cognitive Flexibillity

Der Intelligenzquotient (IQ) wird oft als entscheidender Faktor für den Erfolg gepriesen. In der Tat sind viele Menschen fasziniert von den IQ-Werten berühmter Persönlichkeiten. Die Wahrheit ist jedoch, dass einige der größten Errungenschaften unserer Spezies in erster Linie auf Eigenschaften wie Kreativität, Vorstellungskraft, Neugierde und Einfühlungsvermögen zurückzuführen sind. [4]

Viele dieser Eigenschaften sind in das eingebettet, was Wissenschaftler als »kognitive Flexibilität« bezeichnen –  eine Fähigkeit, die es uns ermöglicht, zwischen verschiedenen Konzepten zu wechseln oder unser Verhalten anzupassen, um in einer neuen oder sich verändernden Umgebung Ziele zu erreichen.

Laut einer Studie an der Georgia State University, zeigen Kapuzineräffchen und Rhesusaffen mehr kognitive Flexibilität als unsere eigene Spezies. [5]

Tipps zum Training von Cognitive Flexibility [6]

1. Tu, was Du kannst. Aber mach es anders!

Wir alle haben Routinen, die uns ein Gefühl der Vorhersehbarkeit und sogar des Komforts vermitteln. Routinen können jedoch zu einem Trott werden, der unsere kognitiven Fähigkeiten einschränkt. Um dies zu vermeiden, müssen wir für Abwechslung sorgen. Beim Autofahren kann das bedeuten, dass man einen anderen Weg nach Hause fährt. Es können aber auch ganz andere Dinge sein, wie das Ausprobieren neuer Lebensmittel. Es muss nicht spektakulär anders sein, nur anders.

2. Suche nach neuen Herausforderungen und Erfahrungen

Egal, wie klein oder groß. Alles, was neu ist, fordert deine kognitive Flexibilität. 

3. Lerne neue Leute kennen

Je mehr man sich mit anderen Menschen und ihren Ansichten, Kulturen und Ideen auseinandersetzt, desto mehr verbessert sich nicht nur die kognitive Flexibilität, sondern auch der moralische Kompass für Recht und Unrecht.

Ein neuer Blick auf Intelligenz

Letztlich ist ein Mensch viel mehr als seine kognitive Leistungsfähigkeit. Das macht eine berührende Rede von Frank Stephens vor dem amerikanischen Kongress über Down Syndrom klar. 


QUELLEN

[1] Grigorenko, E. L., Wenzel Geissler, P., Prince, R., Okatcha, F., Nokes, C., Kenny, D. A., ... & Sternberg, R. J. (2001). The organisation of Luo conceptions of intelligence: A study of implicit theories in a Kenyan village. International Journal of Behavioral Development, 25(4), 367-378.

[2] Estevis, E., Basso, M. R., & Combs, D. (2012). Effects of practice on the Wechsler Adult Intelligence Scale-IV across 3-and 6-month intervals. The Clinical Neuropsychologist, 26(2), 239-254.

[3] Intelligenz – SInd schlaue Menschen glücklicher. Spektrum Psychologie. 6/2020.

[4] Sahakian, B. J., Langley C., & Leong V. (2014). IQ tests can’t measure it, but ‘cognitive flexibility’ is key to learning and creativity. theconversation.com

[5]  Watzek, J., Pope, S. M., & Brosnan, S. F. (2019). Capuchin and rhesus monkeys but not humans show cognitive flexibility in an optional-switch task. Scientific reports, 9(1), 1-10.

[6] Verdolin, J. (2019). 3 Ways to Improve Your Cognitive Flexibility. New research sheds light on how we are resistant to change. Psychology Today. 

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