Richtig nichts tun

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Abschalten, einfach nichts tun. Das fällt vielen schwer in dieser stressigen Welt. Irgendwas ist immer und wenn wirklich mal nix ist, sucht man sich was: Berieselung, aufräumen, Sport. Wer hält es noch aus, einfach nur dazusitzen, aus dem Fenster zu gucken und es zu genießen -wie Astrid Lindgren es forderte? Passend zu Hitze und Urlaubszeit zeigen wir euch, wie das geht. Abschalten lohnt sich, wenn man weiß, wie‘s geht.

Stress kommt mit in den Urlaub

Die aktuelle TK-Stressstudie zeigt, dass sich knapp zwei von drei Menschen in Deutschland mindestens manchmal gestresst fühlen. Bei mehr als 26 Prozent ist es sogar häufig. [1] Diese Untersuchung zeigt jedoch auch, im Vergleich zu 2016 fällt es den Leuten leichter im Urlaub abzuschalten. Trotzdem nehmen 19 Prozent den Stress mit in den Urlaub.

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Warum werden wir in den Ferien krank?

Viele von uns kennen es: Der Urlaub startet und zwei Tage später liegen wir flach. Das ist nicht unüblich, wie ein Artikel der Süddeutschen Zeitung erklärt. Die Freizeitkrankheit – im Englischen »Leisure Sickness« – ist nicht selten, wie Umfragen zeigen. Es gibt unterschiedliche Theorien für dieses Phänomen: Einerseits kann es damit zusammenhänge, dass wir nur in freier Zeit unserem Körper die nötige Aufmerksamkeit schenken, um Krankheiten zu bemerken. Andererseits könnte es auch an unserem Hormonhaushalt liegen, der durch Dauerstress aus dem Gleichgewicht gerät und im Urlaub destabilisiert wird.

Wir haben eine Bremse im Kopf!

Das legt eine neue Studie nahe, die am Max-Planck- Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main. In einem spannenden Spiegel-Artikel werden die Ergebnisse zusammengefasst: Wir haben in unserem Hirn Bremsneuronen – Nervenzellen, die unseren Fokus stärken und erregende Hirnaktivitäten unterdrücken, die gerade nicht relevant sind.

Unser Gehirn läuft selbst im Ruhezustand

Der Professor Marcus E. Raichle ist der Entdecker des sogenannten »Default Mode Network«. Diese Theorie besagt, dass unsere Gehirn selbst im Ruhezustand sehr aktiv ist. Mehr dazu in diesem Spektrum-Artikel. Psycholog:innen nennen diesen Wachzustand, bei dem man sozusagen an gar nichts denkt, auch als Tagträummodus. Es gibt viele Theorien, warum unser Kopf niemals so richtig abschaltet, aber die Wissenschaft ist sich einig, dass es nicht nur eine witzige Laune der Natur ist. [2] 

Es geht um Zeit und Tiefe

In dem Buch »On Connection« greift der Autor Kae Tempest eine Idee von dem Psychologen Carl Gustav Jung auf. In uns gibt es demnach zwei »Spirits«. Einerseits den, der Zeit. Dieser sortiert und ordnet unser Leben. Andererseits gibt es den der Tiefe, der unabhängig von der Zeit existiert, der keinen Sinn ergibt und sich über Träume und Bilder zeigt. 

Tipps zum Abschalten

Leisure Sickness vorbeugen

Vor dem Verreisen langsam zur Ruhe kommen, etwas Sport im Urlaub und keine zu hohen Erwartungen an den Urlaub haben – das sind die Zutaten, mit denen wir Krankheit im Urlaub vermeiden können. [3]

Mehr Niksen

Wir rennen ständig, arbeiten unsere endlose To-do-Liste ab, mühen uns ständig ab – gegen diesen Wahnsinn hilft Nichtstun, oder wie die Niederländer es nennen, niksen.

Ein New York Times-Artikel von Olga Mecking erklärt, was Niksen bedeutet: bewusst und überlegt Zeit und Energie für Aktivitäten, wie den Blick aus dem Fenster oder das bewegungslose Sitzen, nehmen. Das hat positive Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit.

Nimm dir bewusst Zeit für das Nichtstun! Dabei kann auch helfen, das Handy mal bewusst beiseite zu legen. 

Unser Gehirn braucht Ruhe

Auch wenn sich unsere Gehirnaktivität nie zur Gänze abstellt, brauchen wir Phasen, in denen wir die ständige Dauerbeschallung des Alltags ausmachen. Besonders gut tun uns akustische Auszeiten, beschreibt dieser Spektrum-Artikel.

Andere Wege unser Default Mode Network zu trainieren, sind ein kurzes Nickerchen, bewusstes Tagträumen und körperliche Bewegung. [2]


QUELLEN

[1] TK-Stressstudie 2021 »Entspann Dich, Deutschland« 

[2] Pillay, S. (2017). Secret to brain success: Intelligent cognitive rest. Harvard Health Publishing. 

[3] Freizeit-Krankheit: Leisure Sickness vorbeugen (2017). Süddeutsche Zeitung.

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