Wir werden siegen

Alles zur Betreutes Fühlen-Folge

Seit September gehen Menschen im Iran auf die Straße. Sie kämpfen für Frauenrechte und Freiheit. Das Regime schlägt brutal zurück, will die Proteste mit Gewalt stoppen. Doch die iranische Bevölkerung gibt nicht auf. »Nieder mit der Diktatur«, rufen die Leute. Wir sprechen heute mit den beiden Iran-Aktivistinnen Daniela Sepehri und Düzen Tekkal über die aktuelle Situation im Iran. Beide haben persönlichen Bezug zu dem Land. Es geht darum, Sichtbarkeit zu schaffen, aber wir wollen auch verstehen: Wie ist es zu den aktuellen Protesten gekommen? Warum sind sie anders als vorherige? Woher kommt die Hoffnung von Daniela und Düzen auf Freiheit für den Iran? Und wir schauen auch auf die Gegenseite: Was hat das Regime davon, ihre eigenen Leute niederzuschlagen?

Unsere 2 Gäste: Daniela Sepehri und Düzen Tekkal

Leon und Atze haben sich heute zwei Iran-Aktivistinnen an die Seite geholt. Die 24-jährige Deutsch-Iranerin Daniela Sepehri wurde in Paderborn geboren. Ihre Eltern mussten vor 25 Jahren aus dem Iran fliehen, weil ihr Vater zum Christentum konvertierte, Bibeln verteilte und über Jesus gesprochen hat. Deswegen wurde er zum Tode verurteilt. Seit Daniela 14 ist, setzt sie sich für die Menschen im Iran ein. Im Zuge der aktuellen Proteste hat sie eine Online-Petition gestartet mit konkreten Forderungen an die Bundesregierung. Sie verlangt von der Ampel aktive Solidarität mit den Protestierenden im Iran. Das macht sie deutlich mit Reden im Bundestag und ihrer neuen Petition #OlafSagWas, in der sie von Olaf Scholz, dass er sich endlich zu der Situation im Iran äußert.

Düzen Tekkal ist Politikwissenschaftlerin, Sozialunternehmerin, Kriegsberichterstatterin, Filmemacherin, Gründerin der Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help und der Bildungsinitiative GermanDream, Journalistin und Autorin. Die 44-jährige wurde in Hannover geboren. Sie ist kurdisch-jesidischer Abstammung. Ihre Eltern kamen in den 70ern aus der Türkei nach Deutschland. Düzen macht sich stark für die Menschen im Iran, denn sie hat einen persönlichen Bezug: Bei den Iran-Protesten geht es auch um Kurd:innen. Gut zehn Prozent der Bevölkerung im Iran sind kurdisch. Auch die junge Frau, deren Tod den aktuellen Protest auslöste, gehörte dieser Volksgruppe an. [1] Immer wieder werden Dekkal Videos und Nachrichten direkt aus dem Iran zugespielt, die sie dann auf Instagram veröffentlicht. Am 07.10. startete sie eine Petition durch ihre Organisation HÁWAR.help, die bereits 14.890 Menschen unterzeichnet wurde.

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Was ist los im Iran?

Am 16. September 2022 war Jina Mahsa Amini zu Besuch in der iranischen Hauptstadt Teheran gewesen, als sie von der dortigen Sittenpolizei brutal festgenommen wurde, weil ihr Haar angeblich nicht ausreichend durch das Kopftuch bedeckt gewesen war. Sie fällt ins Koma.

Was danach passiert ist, ist unklar. Mahsa Amini starb während ihrer Haft. Für die Menschen im Iran ist klar: Sie wurde zu Tode misshandelt. [1] Seither demonstrieren in Iran Tausende und in Solidarität mit ihnen zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt.

Iranische Frauen wollen ihre Unterdrückung nicht länger hinnehmen. Die Proteste dehnen sich aus. Frauen, Männer und Minderheiten schließen sich zusammen und rufen: »Nieder mit der Diktatur« und »Jin, Jîyan, Azadî«, kurdisch für »Frau, Leben, Freiheit«. [2]

Das Regime schlägt zurück mit Gewalt, Festnahmen, Mord. Anfang Oktober lag die Anzahl der Todesopfer seit Beginn der Proteste laut Amnesty International bei mehr als 130, darunter auch Kinder. [3] 

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Ein kurzer geschichtlicher Abriss

Der moderne Iran beginnt als persisches Reich. Es gibt schon in der Antike ein persisches Reich, aber der Nationalstaat entstand erst 1501 und wird von einem Shah regiert und ist islamisch geprägt.

Wichtig, um die aktuelle Situation im Iran zu verstehen, ist vor allem die Revolution 1979, die zur Absetzung des damaligen Schah Mohammad Reza Pahlavi und zur Beendigung der Monarchie im Iran führte.

Durch den Schriftgelehrte Ruhollah Musawi Khomeini entsteht die islamische Republik. Innerhalb von zehn Jahren baute Khomeini ein repressives System in Iran auf. Im Kern steht die Rückbesinnung auf den Islam. Dazu gehört, dass sich vor allem die Situation der Frauen extrem verschlechterte. Rechte wurden ihnen entzogen, Kleiderordnungen wurden strenger, Ganzkörperschleier war Pflicht.

Khomeinis Nachfolger Ali Chamenei, der aktuelle religiöse Führer, schlug alle bisherigen Proteste, die aus vermeintlichem Wahlbetrug und wirtschaftlichen Krisen entstanden, brutal nieder. Bei den jetzigen, die aus dem aggressiven Vorgehen der »Sittenpolizei« gegenüber Frauen entstanden sind, ist es ähnlich.

Wer sich intensiver mit der iranischen Geschichte auseinandersetzen möchten, dem empfehlen wir das YouTube-Video von MrWissen2go Die Geschichte des Iran, die chronologische Übersicht der Bundeszentrale für politische Bildung und einen Artikel von Planet Wissen. 

So kannst Du helfen

Ganz wichtig: Nicht wegschauen! Neben den großen Nachrichtenplattformen kannst Du diesen Menschen folgen, um informiert zu bleiben und deren Inhalte teilen. Eine Auswahl: Düzen Tekkal, Daniela Sepehri, Gilda Sahebi, Natalie Amiri, Shahrzad Eden Osterer, Dr. Ali Fathollah-Nejad, Elmira Rafizadeh und Organisationen wie Amnesty International oder HÁWAR.help.

Aktuell haben Joko und Klaas ihre Instagram-Accounts den iranischen Aktivistinnen Azam Jangravi und Sarah Ramani übergeben.

Auf den Kanälen findest Du auch Infos dazu, wann Demonstrationen in Deutschland stattfinden, welche Petitionen Du unterschreiben kannst (wie die von Daniela Sepehri #OlafSagWas und Düzen Petition Forderungen Bundestag). Außerdem zeigt die Website Iran Protests Germany, wann und wo in Deutschland Demonstrationen stattfinden. Der Bundesregierung muss klar gemacht werden, dass es nicht egal ist, was da im Iran passiert. Dazu kannst Du auch Abgeordnete direkt anschreiben und auf diese Weise Druck zu machen.

Zugang zum Internet ist die wichtigste Waffe der iranischen Bevölkerung gegen das Regime. Die blocken bzw. drosseln das Internet. Doch das Netz ist wichtig, um sich zu Demonstrationen zu verabreden und Inhalte zu teilen.

Du kannst helfen, indem Du die Erweiterung »Snowflake« in deinem Internet-Browser installierst. Snowflake ermöglicht anderen Computer-Nutzer:innen den anonymen Zugang zum Tor-Browser und damit ins freie Internet. Hier ganz einfach bei Google Chrome installieren und hier für Firefox. 


QUELLEN

[1] Senz, K. [2022]. Welche Rolle Kurden beim Protest spielen. Tagesschau. 

[2] Jannaschk, J. (2022). Internet für den Iran: So kannst du den Frauen vor Ort schnell und einfach helfen. Watson. 

[3] Matboo, T. (2022). „Frau, Leben, Freiheit”: Die Proteste in Iran und ihre Geschichte. National Geographic.  

[4] Iran: Amnesty meldet viele weitere Tote. (2022). ZDF. 

IRAN: MINDESTENS 23 KINDER GETÖTET BEI BRUTALER NIEDERSCHLAGUNG VON PROTESTEN. (2022). Amnesty International.

[5] Snoop Doggs Angestellte dreht bis zu 150 Joints am Tag. (2022). Stern. 

[6] Brouhard, R. (2022). Can You Overdose on Marijuana? Very Well Mind.  

[7] Villines, Z. (2021). Can You Overdose on Marijuana? WebMD.

[8] McCartney, D., Arkell, T. R., Irwin, C., & McGregor, I. S. (2021). Determining the magnitude and duration of acute Δ9-tetrahydrocannabinol (Δ9-THC)-induced driving and cognitive impairment: a systematic and meta-analytic review. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 126, 175-193. 

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